Mama ausgebrannt – Wege aus der Krise – Der bedürfnisorientierte-Mama-Burnout

Ausgebrannt ?

Fertig ?

Mitten im „bedürfnisorientierte Mama-Burn-out“ – oder auf dem Weg dorthin?

Meine liebe Kollegin Isabel Falconer von Magna Mater hat zur Blogparade gerufen, und da bin ich gerne dabei bei diesem wichtigen Thema „Mama ausgebrannt – Wege aus der Krise“. Ihr findet da tolle Beiträge zum Thema von ihr und unseren Kolleginnen auf ihrem Blog, schaut mal rein.

Isabel „kenne“ ich virtuell schon einige Jahre aus unserer gemeinsamen Trageberatungs- und Elternbegleitungsarbeit, ein Grund mehr, gerne dabei zu sein – zumal der „Mama-Burn-out“ immer mehr ein Thema ist und wird – auch und gerade in „bedürfnisorientierten Kreisen“. Dazu wird es demnächst noch einen Extra-Beitrag geben.

Leicht fällt es mir immer noch nicht, mit diesem persönlichen Thema nach außen zu gehen – ich denke jedoch gleichzeitig, dass das eben gerade ja Teil des Problems ist, so erlebe ich es auch immer wieder bei meinen Klientinnen. Also los – auch ab über meine eigene rote Linie 🙂 und danke an Isabel für den Aufruf.

Meine eigenen Erfahrungen: schon immer habe ich viel gearbeitet und viel gemacht. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der ich für vieles zuständig war oder mich gefühlt habe, weil es sonst niemand gemacht hat (Parentifizierung). Ich wollte mehr, als für mich „vorgesehen“ war, als in einem relativ dysfunktionalen familiären Setting möglich war, und habe das auch immer wieder erreicht. Dass das viel Kraft kostet, war ich somit gewohnt. Auch wollte und will ich immer Dinge unbedingt erreichen; in dem Begriff „Overachiever“, den meine Kollegin Alex Broll in einem anderen Beitrag dieser Blogparade gebraucht hat, finde ich mich auf die eine oder andere Art auch durchaus wieder. Grundsätzlich sind mir diese Muster also nicht neu. Und mit ihren Vorteilen und Gefahren auch nicht unbekannt – therapieerfahren, reflektiert, informiert, wie ich war. Meistens war ich auch ganz gut in der Lage, zu erkennen, wenn es zu viel wurde und für  mich zu sorgen.

Das bedürfnisorientierte Kind

Und dann kamen meine Kinder. Sie zeigten mir sehr deutlich, was sie brauchten – aber auch nochmal stärker als zuvor, was ich selbst brauchte, wo ich über meine Grenzen ging oder Dinge tat, die mir nicht entsprachen, wo ich nicht ich selbst war. Ich spürte, dass das was sie brauchten, gar nicht so weit entfernt war von dem, was ich brauchte. Spieglein Spieglein an der Wand eben 😉

Sie waren sehr klar in ihren Signalen, ich lernte immer mehr über das kompetente Kind und wie gut man bereits mit einem Baby oder Kleinkind kommunizieren kann. Es stand somit auch für mich außer Frage, ihre Bedürfnisse zu erkennen und nicht zu achten. Anfangs war das auch ganz pragmatisch: das Baby schrie wie am Spieß, sobald man es ablegte, und war im Tragetuch glücklich und zufrieden. Also eben ab mit dem Baby ins Tuch 😉 In Fortbildungen und im Selbststudium lernte ich, dass das, was sich für uns beide gut anfühlte, sich auch an ganz vielen Stellen wissenschaftlich erklären ließ – und das wir nicht die Einzigen waren.

Funktionieren vs. Clan

Im Netz fand ich relativ schnell meinen „Online-Clan“. Gleichgesinnte zu haben, wurde sehr wichtig: mich nicht komplett als „Alien“ oder „Geisterfahrer“ zu fühlen, und mich einfach auch austauschen können zu den Themen, die mich beschäftigten. Attachment Parenting, unerzogen, immer mehr Dinge, die wir ohnehin so oder so ähnlich machten, wie wir auf unser Kind schauten, bekam auf einmal einen Namen.

Im täglichen Leben nutzte das jedoch oft wenig, auch wenn ich mir da auch mit der Zeit einen „Kreis“ aufbaute – viele verstanden nicht, was wir taten, wie wir mit unseren Kindern leben und umgehen, es ging klar „gegen den Strom“. Es gab gegenseitige Akzeptanz und Sein-Lassen, aber auch viel unterschwelligen Angriff, Forderungen, beobachtet werden. Zwei Zitate von denjenigen, mit denen wir uns zumindest austauschen konnten: „Wenn jemand in der Erziehung etc. alles anders macht, dann schaut man halt schon, wie und ob das dann funktioniert…“ und „Wir fühlen uns angegriffen dadurch, dass Ihr alles anders macht.“ Ich stand unter Druck – alleine schon durch eine Umgebung, die nicht zu mir passte. Eine gewisse Zeit versuchte ich es trotzdem und tappte in die Falle, in die viele Mamas geraten: es passend zu machen, uns passend zu machen, das Bild „nach außen“ zu halten. Alles zu schaffen und noch mehr, meine Kinder zu schützen dabei. Ich funktionierte, immer noch.

Dabei war mir im Grunde klar, dass das nicht lange so weitergehen konnte. Es ging mir immer schlechter, die Belastungen waren hoch. Ich wurde immer müder, alles strengte mich immer mehr an, ich weinte viel, hatte Panikattacken, Ängste, ich wurde krank, konnte nicht arbeiten und die lange Jahre abwesende Migräne tauchte wieder auf. Das volle Programm, teilweise sehenden Auges. Und natürlich, irgendwann fühlte ich mich auch nicht mehr als der Mensch und die Mutter, die ich gerne sein wollte.

Dennoch wusste ich: der Umgang mit unseren Kindern und unsere Sicht auf’s Kind, auf den Menschen, das ist unsere Grundhaltung und das stand hierbei nicht zur Disposition. Sie zu sehen, sie zu begleiten in ihren Gefühlen, zu wissen, dass sie immer kooperieren, dass ein weinendes, streitendes oder schreiendes Kind immer einen Grund hat und viele Dinge mehr – und nicht in der Hauptsache ihr Funktionieren zu sehen und sie – und mich -am „braven Kind“ zu messen.

Somit war das Dilemma aber auch klar…aus der Nummer kam ich alleine nicht wieder raus.

Unterstützung

Ich suchte mir Unterstützung bei einer Therapeutin und bei einer Coachin. Letztere war ein Glücksgriff: sie verstand, was mir wichtig war und half mir, meine Gedanken zu sortieren. Sie war mein Sparringpartner für meine „blinden Flecken“ – aber auch eine derjenigen, die mit mir glaubte, dass meine Wünsche keine hohle Phantasie sind, dass alles möglich ist: ein bedürfnisorientiertes, erziehungsfreies Familienleben für alle Beteiligten inklusive beruflicher Erfüllung – und dabei zusammen sein, wenn wir das wollen. Dass dies alles keine Gegensätze sind, sondern sich wunderbar miteinander verbinden lassen – „unden“ eben.

So sagte beispielsweise auch eine Vortragende bei einem Freilernerfestival in England: „All jenen, die immer wieder eine halbe Stunde damit verbrachten, mir zu sagen, wie müde ich aussehe und dass das nur daran liegt, dass wir home education machen, habe ich irgendwann nur noch den Müll zum Herunterbringen in die Hand gedrückt oder ihnen gesagt, sie könnten einfach mal fünf Minuten mit den Kindern um den Block gehen, das hilft mehr!“ Volle Zustimmung meinerseits.

Krise als Türöffner 

Dies alles war ein Teil der Anlässe, unser Leben ziemlich umzukrempeln. Uns mit Menschen zu umgeben, die unsere Werte teilen, verstehen oder mindestens akzeptieren, lange auf Reisen zu gehen und im Wohnmobil zu leben, lange Elternzeit für meinen Mann, raus aus beruflichen und privaten Strukturen, die nicht mehr zu uns paßten – um aus der Ferne mit einem anderen Blickwinkel zu sehen, was wir eigentlich für uns wollen. Schlußendlich auch raus aus Eigenheim und Führungsposition. Gleichzeitig jedoch auch nicht alles aufzugeben oder die Zelte hinter uns abzubrechen, uns entwurzeln. Zu spüren, mit welchen Menschen wir dauerhaft sein wollen, welche Beziehungen uns und unseren Kindern richtig wichtig sind. Zu uns zu stehen. Auch nach außen stets klar zu sein, auch mit nicht-mainstream-Werten. Ich begriff das unerzogene Leben noch stärker als zuvor als etwas, das „für alle“ da ist und uns unsere eigenen, auch unkonventionellen Lösungen suchen läßt – und finden.

Wir sind noch nicht am Ende angekommen, dass wirklich alles so ist, wie es jeweils alle Familienangehörigen haben wollen – aber wir sind auf dem Weg. Ich glaube ja mittlerweile, am Ende angekommen sind wir nie und der Weg ist tatsächlich immer das Ziel, aber gerne mal mit Zwischenstops.

Insgesamt betrachtet war diese Krise wie so oft eine Chance, ein Türöffner und Blick-Schärfer. 

Der „bedürfnisorientierte Mama-Burnout“ oder #Bedürfnisorientierung vs. Aufopferung

Was auffällt und immer wieder Thema ist, ist der „bedürfnisorientierte Mama-Burnout“. Anfang des Jahres gab es eine Blogparade zum Thema #Bedürfnisorientierung vs. Aufopferung.

Haben nun „Attachment-Parenting-Mamas“ eine spezielle Neigung zum Ausbrennen?

Stay tuned – diesem Thema widme ich den nächsten Artikel.

 

Meine Gedanken also dazu für Dich:

  1. Such Dir Unterstützung, privater und auch professioneller Art (Therapeut oder Coach).
  2. Sei ehrlich. Lerne, bereits in Phasen, in denen es Dir noch einigermaßen gut geht, zu sagen, was Dir zuviel zu werden droht oder was Du nicht mehr machen magst. Lerne auch zu sagen „Es geht mir schlecht, ich brauche Unterstützung“. Viel Schmerz entsteht dadurch, dass nicht darüber gesprochen wird, gesprochen werden kann – oder erst im nachhinein.
  3. Das hilft Dir, Dein Bauchgefühl wieder auszubuddeln – denn eigentlich weißt Du (genau wie Deine Kinder auch), was Dir gut tut.
  4. Deine Kinder sind Dein Spiegel – schau, was sie Dir sagen wollen, auch mit ihrem Verhalten. Es hilft Dir – auch wenn sich das nicht immer so anfühlt.
  5. Such Dir Gleichgesinnte, online und offline.
  6. Was Deiner Nachbarin hilft, muß nicht automatisch auch Dir helfen.
  7. Schaffe Dir ein Netzwerk, ein Dorf, einen Clan… online und offline.
  8. Werte nicht – Du bist nicht falsch, weil Du nicht sämtliche Ideale zu 300% erfüllen kannst. Das ist schlichtweg nicht möglich.
  9. Sei offen für unkonventionelle Lösungen – für DEINE Lösungen.
  10. Erlaube Dir, kleine Schritte zu gehen. Eine Familie ist eher ein Überseedampfer als ein wendiges Sportboot. Veränderungen dauern manchmal.
  11. Erlaube Dir Unperfektion. Gemacht ist besser als perfekt und „Unerledigte“ sorgen meist für Streß. Vielleicht mußt Du manches aber auch gar nicht machen?
  12. MommyWars sind sowieso blöd. Ich weiß, dass ist nicht immer möglich – aber wenn Du irgendwie kannst, halt Dich raus. Sie entspringen dem erlernten Leistungs-, Lob- und Bewertungssystem und der Tatsache, dass die Arbeit von Müttern leider oft ohnehin nicht ausreichend wertgeschätzt wird.

 

Wenn Du Dir Unterstützung und Begleitung wünschst, dann melde Dich einfach bei mir für Dein kostenloses Kennenlerngespräch.

2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Lena,

    vielen Dank, dass Du noch mitgemacht hast. Ich freue mich sehr, vor allem, weil das Thema so wichtig ist. Bei der ganzen bedürfnisorientierten Begleitung unserer Kinder geraten die eigenen nämlich gerne mal in Vergessenheit.

    Schade, dass sich Bekannte dadurch angegriffen fühlen, wie Ihr mit Euren Kindern umgeht – kenne ich selbst auch.

    Alles Liebe,
    Isabel

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