Warum Kinder lügen und was das für Dich bedeutet

Früher oder später ist es meistens soweit – das Kind erzählt oder behauptet etwas, das aus unserer Sicht nicht die Wahrheit sein kann. Solange es sich um fantastische Geschichten handelt, finden wir das auch meistens noch ganz nett oder niedlich, es wird belächelt und als „blühende Phantasie“ bezeichnet.

Aber irgendwann, z.B. wenn alle „ich war’s nicht!“ auf die Frage antworten, wer den Orangensaft quer durch Küche und Wohnzimmer vergossen hat, kommen Momente, die Eltern oft nicht witzig finden.

Auch hier gibt es eine altersabhängige Entwicklung – oft kommen Kinder im Alter zwischen 4 und 8 Jahren in eine Phase massiven „Lügens“. Ich setze das deswegen in Anführungszeichen, weil das Wort meist schon so sehr negativ behaftet ist, was der Sache nicht gerecht wird.

Hierzu Wikipedia: „Eine Lüge ist eine Aussage, von der der Sender (Lügner) weiß oder vermutet, dass sie unwahr ist, und die mit der Absicht geäußert wird, dass der oder die Empfänger sie trotzdem glauben[1] oder auch „die (auch nonverbale) Kommunikation einer subjektiven Unwahrheit mit dem Ziel, im Gegenüber einen falschen Eindruck hervorzurufen oder aufrecht zu erhalten.““ 

Hier möchte ich ansetzen: nach Paul Watzlawick gibt es keine objektive Wahrheit, alles ist immer subjektiv, wir betrachten alles durch die Brille unserer (eigenen oder gesellschaftlichen) Erlebnisse, Erfahrungen, Gedanken und Erwartungen, unsere Handlungen sind davon beeinflusst. Unser Gegenüber wiederum nimmt alles durch die Brille eben seiner Erlebnisse, Erfahrungen, Gedanken und Erwartungen auf.

Was bedeutet das nun für die Lüge ? 

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In welchen Situationen also lügen Kinder und woran liegt das?

  • Fantasie und Kreativität: sie stellen sich etwas vor, bewegen sich in einer eigenen Welt, einem Rollenspiel, bauen sich etwas auf, stellen sich vor, jemand anders zu sein oder erfinden ein Fantasiewesen oder einen unsichtbaren Freund. Bei diesem Teil fällt das Sehen als Entwicklungsstufe meist auch noch ausserhalb der „magischen Phase“ relativ leicht.
  • Wunsch: sie wünschen sich etwas sehr, entweder es zu haben oder etwas z.B. nicht getan zu haben – also tun sie in dem, was sie sagen (= mit der Lüge) so, als wäre ihr Wunsch Wirklichkeit. Nicht unbedingt bewusst. Oft fällt es uns schwer, das zu sehen; gerade auch, wenn das Kind beispielsweise lügt, weil es etwas genommen oder ein anderes Kind gehauen hat. „Ich habe das nicht gemacht“. Oft wünscht sich ein Kind so sehr, seine (Affekt-)Handlung nicht getan zu haben, dass es diesen Wunsch in Form einer Lüge verpackt.
  • als Verstärker eines Wunschs: eigentlich ein Paradebeispiel für Affirmationen und Energy flows where attention goes – was ich glaube, werde ich eher bekommen
  • aus Angst vor Strafe und Ablehnung – Du hast direkten Einfluss darauf. Sagst Du, „Du kannst mir alles erzählen“, aber Deine Handlungen vermitteln etwas anderes? Hüpfst Du dann aufgebracht wie ein HB-Männchen und schimpfst und wirst unfair und ziehst „Konsequenzen“?
  • dem Vorbild folgend: Hand auf’s Herz – sagst Du immer und in jeder Situation die Wahrheit? Auch das sogenannte „soziale Lügen“ (weiße Lügen / white lies), mit dem wir -tatsächlich oder vermeintlich oder um der Diskussion aus dem Weg zu gehen – den Opa, die alte Nachbarin oder den Chef nicht brüskieren wollen, hört und sieht unser Kind.

Warum ist Lügen wichtig?

Lügen ist kein Fehlverhalten, sondern eine Entwicklungsstufe. Wir lernen durch Lügen Mitgefühl: dadurch, dass wir versuchen, die Lügen anderer zu durchschauen, versetzen wir uns auch in andere Menschen hinein. Wir schulen damit auch unser Gehirn zum „Lügendetektor“. In Sachen Arterhaltung ist das Lügen so oder so sinnvoll: manche Situation erfordern oder erforderten vielleicht eine Lüge zu unserem Schutz oder sogar Überleben, andere das Durchschauen-können einer Lüge aus dem gleichen Grund. Gleichzeitig fördert das Ausdenken „unwahrer“ Geschichten in jedem Falle die Kreativität (sh. oben).

Was kannst Du tun, wie kannst Du reagieren?

  • Vertrauen, vertrauen, vertrauen: vertraue, dass Dein Kind gut ist. Immer.
  • Dieses Vertrauen kannst Du Dir verdienen: Dein Kind macht sich verletzlich dadurch, dass es Dir von einer Lüge erzählt. Beschäme es nicht dafür, sondern erweise Dich als würdig, Geheimnisse erzählt zu bekommen.
  • Erinnere Dich: Dein Kind handelt so gut wie es (gerade) kann. Der Situation, dem Alter, den Umständen oder dem leeren oder gefüllten Magen entsprechend. Immer.
  • Deine Haltung überprüfen: what you see is what you will get. Die Haltung, mit der Du herangehst, ist entscheidend. Was Du erwartest, wirst Du bekommen, eine selbsterfüllende Prophezeiung sozusagen.
  • in Beziehung gehen oder am besten bleiben: sei im Gespräch, im Kontakt. Gib Deinem Kind nicht das Gefühl, dass Du es verurteilst für seine „Lüge“. Versuche, seine Beweggründe herauszufinden.
  • Verändern Deiner eigenen Perspektive: lügt Dein Kind denn tatsächlich, wenn es lügt ? Wenn Du Dich hineinversetzt in Dein Kind, was siehst und spürst Du aus seinem Blickwinkel? Der „Diebstahl“ einer Schaufel oder eines Autos zeigt erstmal nur, dass Dein Kind diesen Gegenstand haben wollte. Dringend.
  • Dein Kind informieren über „Gepflogenheiten“. Dein Kind möchte Teil Deiner Welt sein, die Welt kennen- und verstehen lernen. Das bedeutet nicht, dass Du/Ihr alle Gepflogenheiten, gesellschaftlichen Erwartungen etc. übernehmen müsst (auch z.B. White Lies), aber Dein Kind ist noch „neu“ hier und möchte verstehen, wie Menschen handeln und warum. Daraus kann es dann ohne Druck von Dir oder anderen seine eigenen Entscheidungen treffen und diese vertreten.
  • Mache Dir bewusst: das ist nicht gegen Dich gerichtet! Oft neigen wir dazu, eine Lüge irgendwie persönlich zu nehmen („sie hat mich angelogen!“) und uns verletzt oder angegriffen zu fühlen. Dein Kind will Dir damit nichts Böses. Eher im Gegenteil: es hat etwas gemacht und weiß oder vermutet, dass Dich das eventuell traurig machen wird und es möchte Dich nicht traurig machen. (By the way, wenn Du vertraust, löst es sich auch auf, dass Du Dich von einer Aktion Deines Kindes angegriffen fühlst)

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