Alle reden von der Nische – und du willst am liebsten abtauchen

„Finde deine Nische!“

„Du brauchst unbedingt eine Nische!“

„Je enger, desto besser!“

„Breiter werden kannst du dann immer noch!“

Sätze wie diese hast du bestimmt schon mal gehört oder gelesen, wenn du dich mit Online-Marketing/Online-Business beschäftigst, sie schallen dir von nahezu überall entgegen.

Sie sind auch sinnvoll und für manche hilfreich – andere wiederum sind davon wie paralysiert, und sei es auch „nur“, weil es sich anfühlt wie eine Festlegung „für immer“.

Ein viel genutztes Beispiel ist: „Positioniere dich als Experte, du gehst ja auch nicht für eine Herz-OP zum Hausarzt, sondern zum Herzchirurg.“ Stimmt. Nur: nicht jeder will ein verdammter (sorry :)) Herzchirurg sein und den ganzen Tag auf offene Herzen schauen.

Es gibt Menschen, für die ist das ideal – es gibt aber auch Menschen, die wollen lieber Hausarzt sein und sich mit vielen verschiedenen Themenbereichen beschäftigen. Andere wiederum wollen gar kein Arzt sein…

Ja, du wirst ggf. schneller bekannt mit enger Nische, als absoluter Spezialist und Experte für ein Thema positioniert. Wenn du dann aber etwas völlig Anderes machen willst, wirft das zumindest Fragen auf und teilweise verlierst du auch deine bisherigen follower – hast du dich beispielsweise bisher als tiefgehende Instagram-Expertin positioniert und beschäftigst dich jetzt mit Finanzen für Familien, dann wird es ggf. eine Schnittmenge geben – aber eben nicht unbedingt und vielleicht ist sie nicht sonderlich groß. Du fängst also nochmal „klein an“. Das ist ja auch gar nicht schlimm – wie gesagt, fein für die, für die es paßt; aber andere engt es eben wiederum ein. Auch die sogenannten „Scanner-Persönlichkeiten“ tun sich damit schwer – sie langweilt ein Thema schnell, wenn sie da ein bißchen eingetaucht sind.

Irgendwie ist das ja auch wiederum ein Thema oder Muster, das aus Schule und Erziehung kommt. Dieses In-Schubladen- (oder einzelne Fächer) Packen. „Du kannst nur dieses oder jenes sein oder machen, beides geht nicht.“ Dabei ist ja nun gerade das Wundervolle an einer (Online-)Selbständigkeit, sich sozusagen den eigenen Beruf „backen“ zu können, in dem deine Fähigkeiten und Expertisen zusammenfließen und verbunden werden dürfen.

Das wäre ja auch alles noch nicht schlimm, nur: manche machen dann vor lauter Schreck gar nichts; gehen nicht los, gehen nicht raus, weil sie Angst haben, etwas „falsch“ zu machen oder sich zu sehr festgelegt zu haben. Auch ich fühlte mich zwischendurch eingeengt davon, mich vermeintlich entscheiden zu müssen. War ich nun Expertin für freies Lernen, für bedürfnisorientierte Elternschaft oder für Online-Business ? Möp.

Also, mal abgesehen davon, dass auch eine Umpositionierung nach 1,2, 3 Jahren nun nicht fürchterlich dramatisch ist (done this, been there – irgendwann war „Dein Baby tragen“ auch mit allem Interpretationsspielraum nicht mehr zu halten), habe ich hier einige Lösungsansätze für dich zusammen getragen:

  • gestalte dein Branding auf dich als Person (statt einem Unternehmens- bzw. Tätigkeitsbranding) und deine Sicht auf die Welt, deine Erfahrungen mit einem Thema oder Themenbereich. Denn du prägst sowieso alles, was du machst, mit deiner Sichtweise – und dann kann das auch dein Alleinstellungsmerkmal, dein USP (Unique selling point) sein und du brauchst dieses nicht ewig zu suchen – wie als Instagramexpertin notwendig. Hier ist schonmal eine Benennung deiner Website mit deinem Namen, wie es ja auch viele tun, hilfreich. Natürlich mußt du dich als Marke dann auch erstmal aufbauen, denn nach „Lisa Schmidt“ sucht anders als nach „Instagram-Experte“ oder „Mehr Follower auf Instagram“ erstmal vermutlich keiner in den gängigen Suchmaschinen.
  • der alles vereinende Punkt kann auch deine Message sein, bei mir z.B. eben einige Werte und deren Umsetzung Selbstbestimmung, Gleichwürdigkeit, Bedürfnis- und Bindungsorientierung unabhängig ohne Alterseinschränkung.
  • auch die Zielgruppe, also die Menschen, mit denen du arbeitest, können das verbindende Element sein. Bei mir sind das beispielsweise Mütter bzw. bei meinem Mann und mir Eltern. Durch einen starken Fokus auf die Message/Werte schließt das jedoch auch schon wieder automatisch einige Menschen mit Kindern aus bzw. sie sich, weil unsere Inhalte schlicht nicht interessant sind für sie. Auch der „Nasenfaktor“, Sympathie, unsere – bzw. deine – Herangehensweisen an Dinge etc. spielen hier natürlich hinein.

Grundsätzlich spielen diese drei Möglichkeiten auch zusammen.

Für mich sind z.B. Selbstbestimmung, Gleichwürdigkeit, Orientierung an den Bedürfnissen der Nordstern, unter dem alles steht, was ich tue. Das heißt nicht, dass du dann keine Expertin bist. Ich z.B. habe in mehreren Bereichen tiefes und über Jahre und intensive Arbeit aufgebautes Expertenwissen. Das ermöglicht mir jedoch eben auch, diese zu vereinen, das ist mein „roter Faden“ im Leben – und diese Fähigkeit zum Vereinen ist eine wiederum ganz eigene Expertise. Und es sorgt für meine Positionierung im Business (wo nehme ich meine „Position“ ein, wo beziehe ich Position).

Das ermöglicht mir z.B. auch, eben das Big Picture zu haben, diesen Überblick und das Zusammenbringen zu etwas Größerem (nicht umsonst ist „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ eins meiner Lieblingszitate) oder zu einem Big Picture eben.

Das kann ich aus der Perspektive der Instagram-Expertin oder der Herzchirurgin z.B. nicht – als Herzchirurgin bekomme ich beispielsweise die Muskulatur im linken Fuß gar nicht zu Gesicht. Zusammenhänge kann ich teilweise sehen – wie z.B. welches Symptom oder Ereignis den Herzinfarkt (oder was auch immer – ICH habe kein Spezialwissen als Herzchirurgin, but you get my point) gerade verursacht hat. Aber ich kann es eben nicht in einer ganzheitlichen Betrachtung sehen.

Das heißt nicht, dass eines besser oder schlechter ist als das Andere. Wenn man am Herzen operiert werden muß, ist man sehr froh, dass es Herzchirurgen gibt, auch wenn man selbst vielleicht keiner sein möchte oder kann. Und so ist es in jedem Bereich des Lebens.

Auch der monetäre Verdienst ist eine teilweise hergenommene Größe. Das Denken, dass der „Spezialist“ am meisten Geld verdient, kommt aus der „old economy“. Herzchirurg wird auch außerhalb von Begabung und Begeisterung nicht jeder – das Studium ist sehr lang und nach wie vor mit vielen Zugangshürden und Gatekeepern versehen. Somit läßt sich gar nicht für jede/n herausfinden, ob dies vielleicht der geeignete Beruf ist. Jedoch ist es auch „offline“ so, dass ich natürlich auch bereit bin, einen entsprechend kompetenten, erfahrenen ganzheitlichen Arzt entsprechend zu entlohnen. (Krankenkassen-Thematiken mal außen vor gelassen) Offline dreht sich das Ganze ohnehin ein wenig um: die Spezialisierung und das Expertenwissen in einem Ausschnittfeld läßt sich oft schneller erreichen – dafür spricht auch das ja tatsächlich oft genannte (und dahingehend auch stimmige): „Breiter werden kannst du später.“ <-> mit mehr Bekanntheit und Erfahrung.

In einer digitalen, komplexer werdenden und immer mehr „fragmentierten“ Welt kehrt sich das Ganze ohnehin etwas um – da braucht es erst recht jene, die „den Überblick haben“, das Big Picture über ein Thema und lose Enden zusammen führen. Und dafür ist Wissen und Erfahrung in Breite UND Tiefe notwendig.

Als Eltern/Mütter haben wir sowieso per se verschiedene Bereiche zu bedenken – wir können nicht berufstätig sein und dabei oder bei unserer Businessgestaltung so tun, als hätten wir keine Kinder. Und das Verpacken in einzelne Schubladen ohne ganzheitliche Betrachtung macht hier auch oft Probleme und sorgt für „Sand im Getriebe“. Als Beispiel:

  • mit Baby oder nicht betreuten (Klein-)Kindern kannst du oft nicht 9 to 5 jeden Tag an einem Schreibtisch sitzen oder hinter einem Ladentresen stehen – oder du möchtest das vielleicht auch gar nicht. Wenn das aber nun deine einzige Vorstellung ist, „wie man Business machen/selbständig sein kann“, dann „kannst“ du wohl nicht selbständig sein, wenn das bei dir gerade nicht gegeben ist. (Disclaimer: es gibt natürlich, gerade online, ca. drölfzig andere Möglichkeiten)
  • wenn du schlecht geschlafen hast, bist du nicht entspannt, gehst nicht gut mit dir und deinen Kindern um und bist vermutlich nicht kreativ für dein Business. Wenn verschiedene Bedürfnisse da sind, bei mehreren Kindern, muß ich das betrachten, was gerade am Dringendsten ist – you get my point.

 

Wie ist das bei dir? Bist du der Typ für Nische oder nicht?  Was könnte deine Message sein?

Wenn Du mehr zu diesen Themen wissen möchtest, trage Dich gern in meinen Newsletter ein.

Mehr über mich findest Du hier.

Für weitere Impulse folge mir auch gerne auf Facebook und auf meinem YouTube – Kanal und komme in meine Facebook-Gruppe.

Du wünschst Dir Unterstützung in diesen oder ähnlichen Themen? Dann schau mal hier für mein Coachingangebot, bewerbe Dich gleich hier für Dein familienleichtes Kennenlerngespräch oder vielleicht ist bei meinem sonstigen Angebot etwas für Dich dabei. 

 

familienleicht Lena Busch Alle reden von der Nische Pinterest

7 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Lena,
    vielen Dank für diesen inspirierenden Artikel. Ich bin wohl eine typische „Scanner-Persönlichkeit“ 🙂 und habe deshalb lange nicht gewusst, was für mich das Richtige ist. Jetzt habe ich eingesehen, dass es meine Werte sind, die mich ausmachen, und meine Sicht auf die Welt hoffentlich dann auch andere Gleichgesinnte anspricht. Und aus diesem Blickwinkel heraus traue ich mich jetzt auch an meinen eigenen Blog und dann hoffentlich ans Business ran. Diesen Beitrag speichere ich mir auf jeden Fall – für die Tage an denen ich an meinem USP zweifle 🙂
    Liebe Grüße
    Irene

  2. oh wie mir das aus der Seele gesprochen hat – ich bin auch ganz fleißig den typischen Regeln gefolgt und hatte aber auch immer das Gefühl, dass sich das nicht so ganz stimmig anfühlt. Jetzt öffnen sich ganz neue Türen in meinem Leben und ich frage mich, wie ich das alles mit meinem Online Business verbinden kann und da hat mir dein Artikel nicht nur gut getan, sondern mir auch einen schönen, neuen Gedankenanstoß gegeben.
    Liebe Grüße
    Verena

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*