Unden als Weg zur Konfliktlösung

In letzter Zeit bin ich einige Male gefragt worden, was das Wort „unden“ bedeutet. Daher hier eine kleine Erklärung: Und-en ist das „in Verbform gebrachte und“. „Und“ als Tu-Wort sozusagen – also „und tun“; machen, das etwas „und“ wird.

Unden ist bei einer unerzogenen Lebensweise sozusagen der erste Weg oder die erste Frage, wenn es einen Interessens- oder Bedürfniskonflikt gibt.

Gerade wer bisher erzogen hat (oder selbst erzogen wurde) kennt es: bisher gibt es irgendwann eine entweder – oder – Entscheidung, einer bestimmt, was gemacht wird. Oft frustrierend und zu Wut oder Resignation führend für mindestens einen der Beteiligten.

Das Unden ist dabei nach Möglichkeit kein Kompromiss, kein wir-treffen-uns-in-der-Mitte-und-jeder-gibt -etwas-auf-dafür. Oft gibt es aber auch keinen direkt erkennbaren Konsens, der für beide paßt. Das Unden ist vielmehr manchmal ein Plan C.

Zunächst einmal und vor allem aber ist es das Herausfinden, um welchen Teil von Plan A (mein Wunsch) und B (der meines Partners oder Kindes) es denn eigentlich wirklich geht.

  • Denn oftmals geht es nicht zwingend um diese eine Sache, diese eine Unternehmung, sondern das Maßgebliche ist beispielsweise ein Kern, eine Essenz, um die es geht (vgl. der „Wesenskern“, den Barbara Sher in ihren Büchern nennt).
  • Oder aber es geht eigentlich um das Gefühl, das Du damit zu erreichen hoffst und das Du gern empfinden möchtest (vgl. Danielle LaPorte).

(Um diese beiden Themen wird es hier demnächst auch noch ausführlicher gehen)

Was ist der Unterschied zum Kompromiss? 

Der Kompromiss stellt die Einigung in den Vordergrund, nicht die unter dem Konflikt liegenden (tieferen) Bedürfnisse.  Ein Kompromiss beinhaltet oft Verzicht. Deshalb würde ein Kind nie einen Kompromiss eingehen. Solange das Bedürfnis des Kindes nicht erfüllt ist, beschwert es sich weiter oder besteht auf das, was es ursprünglich gefordert hatte. Die Erwachsenen merken das oft erst später, wenn sie zu oft Kompromisse schließen, die öfter als bemerkt irgendwie doch („faule“) Kompromisse sind: dann irgendwann kommt es über sie, „haben sie keine Lust mehr“, „wollen nicht mehr immer nachgeben“ etc. Solange man aber eine Einigung erzielt hat, würde es jedoch dennoch als „gelungener Kompromiss“ bezeichnet werden. Beim Unden hingegen gibt es keinen Verzicht (und somit staut sich auch nichts auf), weil es gelungen ist, das dem Wunsch zugrunde liegende Bedürfnis zu befriedigen. Insofern wäre gelungenes unden immer auch ein Kompromiss (man hat sich ja geeinigt), aber der Umkehrschluss gilt nicht, nicht jeder Kompromiss ist auch ge-undet.

Je kleiner Kinder sind, erfordert es ggf. etwas Übung, dem Kind nichts einzureden, also das Kind nicht zu überreden. Du kannst dabei ganz unmittelbar in der Situation unden, z.B. für etwas, das Ihr heute macht oder unternehmen wollt.

  • Du kannst das mit einer einzelnen Person tun (hier z.B. mit Deinem Kind) oder innerhalb der ganzen Familie.
  • Es kann um private Themen gehen oder um „berufliche“, akute Dinge oder Lebensthemen, auch wenn es natürlich je größer das Thema alles umso komplexer wird.

Bsp. die Einigung zwischen Studium und Familie bei schmalem Zeit- und Geldbudget und betreuungsunwilligem Kind: geht es um das Campusleben? Ein berufliches Ziel, das dahinter steht? Die Elternzeit „produktiv genutzt“ zu haben? (geht es hier um das Studium oder den Aufbau einer beruflichen Alternative?) Den akademischen Abschluß? Ein Minderwertigkeits-/„ich bin nicht gut genug, denn ich habe nicht studiert“-Gefühl? Selbstverwirklichung? Rauszukommen, nicht mehr „Zeit nur mit dem Kind zu verbringen“? Zeit für sich, etwas für sich tun? Oder Fertigkeiten daraus, die ggf auch in Kursen erworben werden können? Oder um das Studium an sich und da erfüllt ggf. ein Fernstudium diesen Wunsch? Kann ein Mütterteam mit anderen studentischen Müttern gebildet werden? Vieles ist denkbar und je komplexer das Thema ist paßt es vielleicht nicht ganz genau, aber vielleicht wird es trotzdem klarer.

Oft geht es aber einfach um Alltagsdinge, um Unternehmungen beispielsweise, die ein Teil der Familie machen möchte und auf die ein anderer Teil der Familie keine Lust hat. Wenn Dein Kind z.B. ins Schwimmbad will und Du nicht, worum geht es Euch dann? Willst Du vielleicht einfach gerade nur Deine Ruhe haben und gar nicht raus, magst Du nicht schwimmen oder spürst Du eine Erkältung kommen? Und Dein Kind, will es tatsächlich schwimmen (vielleicht auch mit einer Freundin oder Deinem Partner, je nach Alter) oder einfach etwas mit Dir unternehmen? Und so kann man immer tiefer einsteigen. Die Lösung hat am Ende auf den ersten Blick vielleicht gar nichts mehr mit der ursprünglichen Idee zu tun. Angenehmer „Nebeneffekt“: Du lernst Dich immer besser kennen.

Anderes Beispiel: Dein Kind hüpft auf dem Sofa, singt vielleicht noch dabei – und hat augenscheinlich Spaß. Du magst das nicht und bittest es, damit aufzuhören. Das wiederum will Dein Kind nicht. Worum geht es Dir? Befürchtest Du generell, dass das Sofa Schaden nimmt? Oder brauchst Du Ruhe, weil Du ohnehin schon total k.o. bist oder Kopfschmerzen hast ? Worum geht es Deinem Kind? Um das Hüpfen, vielleicht auch auf einer Matratze auf dem Boden? Federt das Sofa besonders gut? Ist Rausgehen an die frische Luft und Rennen und Bewegen eine Lösung? Oder versucht Dein Kind Deine Aufmerksamkeit zu erlangen, weil Du geistesabwesend bist und es sich gesehen fühlen möchte, will Dir vielleicht auch etwas zeigen, was es gelernt hat ? Oder vielleicht ist dann auch Vorlesen ok? Du siehst, je nach Bedürfniskern oder Gefühl können die Lösungen sehr unterschiedlich aussehen und mit dem Ursprung vermeintlich nicht mehr viel zu tun haben. Mit einem „in der Mitte treffen“ wären beide immer noch nicht befriedigt.

Spür in Dich hinein und stelle daraus eine Frage. Oft merkst Du schon an der Frage, ob das jetzt das Passende oder der „eigentliche Grund“ ist, es fühlt sich dann entweder sehr stimmig an oder Du spürst einen Widerstand. Und damit, mit diesem Gefühl, kannst Du weitergehen. Bei Deinem Kind sowieso, denn – sh. oben – es kann (je nach Alter und was ihm wichtig ist) ohnehin nicht gut Kompromisse schließen. Wenn Ihr bei dem Gefühl oder der Essenz angekommen seid, worum es geht, dann merkst Du das somit an einer großen inneren Zustimmung und Lust, das Vorgeschlagene zu machen, bei Dir selbst und entsprechender Begeisterung und nicht mehr vorhandenem Widerstand beim Kind.

Was Ihr letztlich macht, ist sehr individuell. Der Weg ist ein bißchen länger als ein genervtes „jetzt reicht es, jetzt bestimme ich, was wir machen“ beim dritten Vorschlag, aber nur am Anfang 🙂

Und sooo viel schöner und befriedigender ! Die Energie lohnt sich so sehr.

Das ist auch ein bißchen Übungssache, aber dann können das auch sehr kleine Kinder schon gut mir Dir machen – und insgesamt kommt Ihr immer schneller „zum Punkt“.

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