„Und wann hast du Zeit für dich?“ – Vom unerzogenen Leben mit behindertem Kind und den eigenen Bedürfnissen

„Und wann hast du Zeit für dich?“, werde ich oft gefragt. Ich? Zeit, für mich? Es gibt das Kind und die Arbeit, das Studium und die Baustellen, die das Kind durch seine schwere Geburt mit in die Familie gebracht hat und damit alles durcheinander wirbelte. Ich als alleinerziehender Papa habe dazu noch meine ganz eigenen gesundheitlichen Baustellen, aber das ist nicht genug, denn wir verzichten dazu noch auf die Erziehung und leben Unerzogen.

Einige mögen uns jetzt als total verrückte Menschen ansehen, aber hey, lieber verrückt als unglücklich gefangen in der Spirale von Erziehung und damit Strafen und unnötige Regeln, aufgestellte, unlogische Konsequenzen und Gebrüll.

Oder?

Ja, doch, das ist unser Weg! Das ist der Weg, den ich für mein Kind und mich ganz bewusst ausgewählt habe. Zu erkennen, dass Erziehung Gewalt ist, ist ein langer Weg gewesen. Diesen Weg habe ich schon einmal erzählen dürfen… Schau dafür hier.

Nach dem ich den Weg von uns schildern durfte und das auf einem Blog, den ich sehr schätze, ist nach einiger Zeit meine Facebookseite entstanden.

Bedürfnisorientiertes Leben mit Kindern

Ich bin noch nie darauf eingegangen, wie ich zwischen Unerzogen und Behinderungen auf mich schaue. Was will ich? Was brauche ich? Wann habe ich Zeit für mich? Ich muss zugeben, ich habe das sehr stark vernachlässigt. Ich habe mich selbst vergessen, weil mein Kind wichtiger war/ist wie alles andere und zu alles andere gehörte auch ich. Ein Fehler, wie sich herausstellte.

Unerzogen bedeutet nicht, dass mein Kind alles bekommt und ich mich dabei selbst vergesse.

Aber wie geht das?

Dann habe ich auf mich geschaut. Mir geht es schlechter, also muss ich für mich was ändern. Auch wenn es ein Thema ist, dass man nicht so gerne anspricht, mache ich das. Die Psyche muss auch gesehen und gepflegt werden. Ich habe also beschlossen mir auch in dieser Hinsicht Hilfe zu besorgen und mir zu helfen. Das ist gar nicht so einfach, wie man denkt… Wartelisten machen das Warten schwer und der Zustand wird selten von allein besser, aber das Leben geht weiter und wenn wir genau hinsehen, finden wir immer Kleinigkeiten, die uns gut tun.

Lichtblicke haben mir immer die kleinen Auszeiten gebracht und tun es heute auch noch. Ein Kaffee bei schönem Wetter, ein Stückchen Schokolade, ein Spaziergang am Flussufer erfüllen mein Bedürfnis nach Ruhe. Gedanken die ich aufgeschrieben habe, die Musik, die ich beim Frühstücken angeschaltet habe und die mir heute noch hilft, runterzukommen und kreativ zu werden erfüllen meine Bedürfnisse nach Selbstwirksamkeit. Ich höre Musik und schreibe dabei und male dabei. Ich trage von Herzen etwas für mich bei, für meine Seite bei und Menschen, die es interessiert schauen sich das an. Selbst meine Gastbeiträge schreibe ich mit klassischer Musik im Hintergrund, weil es mir unheimlich gut tut. Durch eine Freundin bin ich dann auch weiter gegangen und habe mir ein Büchlein angelegt, in dem ich jeden Abend 3-5 Positive Dinge vom Tag aufgeschrieben habe. Das war das Lächeln des Kindes, gutes Wetter, ein gutes Essen oder manchmal auch das nichts tun oder ein selbst gemaltes Bild…

Auf dem Foto eines meiner liebsten Bilder, die geöffnete Hand mit der Blüte… Dies ist auch das Profilfoto meiner Seite, weil es mir zeigt, dass Schutz und Geborgenheit nicht nur für unsere Kinder wichtig ist, sondern auch für uns.

Aber manchmal geht das alles auch nicht. Manchmal kann ich einfach nicht mehr und es ist wichtig, diese Momente wahr zu nehmen, hinzuschauen. Pause und Stopp zu machen. Atmen…

Was will ich gerade? Was brauche ich gerade? Wie kann ich meine Bedürfnisse erfüllen?

Wichtige Fragen, die ich versuche mir in solchen Momenten ins Gedächtnis zu rufen und Antworten zu finden.

Wir alle sind zerbrechlich. Wir sind alle Menschen mit Körper und Geist. Mit einer sensiblen Psyche, die wir pflegen müssen. Wenn es uns Eltern gut geht, dann kann es den Kindern gut gehen.

Wir können gemeinsam wachsen, auf alle Bedürfnisse schauen. Wir sind alle gleichwertig. Kind und Erwachsener, auf Augenhöhe, und somit sind auch alle Bedürfnisse wichtig und sollten Berücksichtigung finden.

Dies habe ich gelernt. Ich sollte nicht nur auf mein Kind schauen, sondern ich darf und sollte auch auf mich schauen und auch Gutes für mich tun.

Dies ist ein Gastbeitrag von Steven Brown von „Bedürfnisorientiertes Leben mit Kindern“.

Vielen Dank, Steven !

Bedürfnisorientierung hört nicht bei Kindern auf, dafür setze ich mich ein.

Du willst mehr wissen? Trag Dich gern in meinen Newsletter ein und bleibe auf dem Laufenden.

Du wünschst Dir Unterstützung in diesen oder ähnlichen Themen? Dann schau mal hier für Dein familienleichtes Kennenlerngespräch oder hier im Shop.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*