Gastartikel: Natürliche Verhütung in der Stillzeit mit kleinen Kindern – Wie geht das?

Meine liebe Windelfrei-Coach-Kollegin Anne, die 2012 die Ausbildung bei babysohnewindeln mit mir gemacht hat, ist außerdem u.a. Beraterin für Natürliche Familienplanung zur Verhütung und bei Kinderwunsch und betreibt mit ihrem Partner Markus Krahlisch zusammen einen Blog zum Thema „Natürliche Fruchtbarkeit“. In wenigen Tagen veranstalten die beiden die „Hormonfrei Verhüten – Woche“ (sh. unten). Im heutigen Gastartikel widmet sich Anne der wichtigen und oft auftauchenden Frage: wie geht eigentlich natürliche Verhütung in der Stillzeit mit kleinen Kindern?

Bühne frei für Anne!

Fast alle Mütter wollen nach der Entbindung keine Hormone mehr nehmen. Ich möchte dir zeigen, wie du natürlich in der Stillzeit verhüten kannst.

Seit 2012 bin ich glückliche Mutter eines kleinen Jungen. Schon vor der Schwangerschaft und Stillzeit habe ich hormonfrei mit NFP in Kombination mit Kondomen verhütet. In diesem Artikel möchte ich darüber berichten, wie ich in der Stillzeit meines Kindes nebenbei die natürliche Verhütung praktiziert und umgesetzt habe.

LAM Verhütung

In den ersten sechs Monaten habe ich die LAM zur Verhütung genutzt. LAM ist die Abkürzung für Lactational Amenorrhea Method und bedeutet soviel wie stillbedingtes Ausbleiben der Menstruation. Hierbei wird ausgenutzt, dass beim Vollstillen nach den LAM-Regeln in den ersten sechs Monaten nach der Geburt ein Eisprung nur stattfindet, wenn zuvor die Menstruation auftritt. Schwanger werden kann man nur wenn Eizelle und Spermie zusammenkommen, tja und das ist halt nicht möglich wenn die Eizelle nicht springt. Es ist in Studien belegt, dass die LAM Methode zu 98 Prozent sicher ist und da ich sowieso vollstillen wollte, war das für mich die optimale Methode für die ersten sechs Monate meines damaligen Babys in der Stillzeit. Die Regeln sind allerdings relativ streng finde ich, sodass es auch nicht für jede Frau und jedes Kind passt.

DIE LAM REGELN

✼ Baby jünger als sechs Monate Nur in den ersten sechs Monaten nach der Geburt deines Kindes ist die LAM Verhütung anwendbar. Danach kann man z. B.die Stillzeit-Regeln von NFP anwenden.

✼ keine Menstruation Sobald die Menstruation einsetzt sind die LAM Regeln nicht mehr zur Verhütung anwendbar. Dann kann man meist mit den normalen NFP-Regeln oder Barrieremethoden wie Kondom weiter natürlich und hormonfrei verhüten. Ich gehe darauf noch weiter unten ein.

✼ Voll stillen Voll stillen nach LAM heißt, das Baby erhält ausschließlich Muttermilch, wird mindestens 6 mal am Tag gestillt in einem Abstand von maximal 6 Stunden zwischen den Stillmahlzeiten.

✼ Kein Zufüttern Das Baby darf nicht zugefüttert werden, auch nicht mit Tee, Wasser oder sonstigen Flüssigkeiten.

✼ Kein Abpumpen Das Abpumpen von Muttermilch und anschließendes oder späteres Füttern mit Fläschchen gilt hier als zufüttern. Somit darf auch nicht abgepumpt werden. Das Saugen des Babys ist absolut notwendig, um die „richtige Hormondosis Prolaktin“ im Körper zu produzieren, sodass der Eisprung ausbleibt. Ein Fläschchen kann das Saugverhalten des Kindes verändern.

✼ Kein Nuckel Auch beim Nuckel (Beruhigungssauger) besteht die Gefahr, dass sich das Saugverhalten des Kindes ändert und/oder der natürliche Stillabstand zwischen zwei Stillmahlzeiten sich unnatürlich hinauszögert. Ich habe damals den Leuten immer gesagt: „Mein Baby braucht kein Nuckel, es hat doch meine Brust – und außerdem würde sonst meine Verhütungsmethode nicht mehr funktionieren!“

Ich persönlich fand die LAM Verhütung für mich wirklich optimal, denn ich brauchte mir über nichts Gedanken machen und einfach natürlich mit meinen Kind und der Stillzeit leben. Es war schön – allerdings hatte ich manchmal Angst, dass ich zu lange schlafe bis es die nächste Mahlzeit gibt! In den ganzen sechs Monaten ist das auch zwei oder drei Mal passiert, dass ich und mein Baby die 6-Stunden-Regel nicht eingehalten haben und etwa ein oder zwei Stunden länger geschlafen haben. Es scheint bei mir aber nichts ausgemacht zu haben.

NFP in der Stillzeit

Du kannst NFP in der Stillzeit eigentlich schon direkt nach der Geburt anwenden bis zum Einsetzen der ersten Menstruation nach der Geburt deines Kindes. Bei einigen Frauen kommt die Menstruation schon nach drei Monaten wieder – andere, wie ich, müssen dagegen bis zu zwei Jahre oder länger warten bis die Menstruation wieder einsetzt.

Stillzykluslaenge_1

Bei NFP in der Stillzeit verwendet man eine bestimmte Zervixschleimmethode, hierzu dokumentiert du beim Toilettengang im Verlaufes des Tages, was du am Scheideneingang gefühlt bzw. gesehen hast. Anschließend kannst du das Beobachtete in einem Zyklusblatt dokumentieren. Nach festen Stillzeitregeln kannst du dann die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage im Still-Zyklus bestimmen. An den unfruchtbaren Tagen konnte ich somit Sex haben, ohne schwanger zu werden, an den unfruchtbaren Tagen verwendeten wir ein Kondom zum Verhüten. Ich fand die Beobachtung des Schleimes allerdings in den ersten sechs Monaten anstrengender als LAM und so habe ich LAM zu dieser Zeit bevorzugt, nach den sechs Monaten habe ich das allerdings mit dieser Vorgehensweise sehr erfolgreich praktiziert.

Die symptothermale Methode – wenn die Mens wieder da ist

Sobald die Menstruation wieder einsetzt, kannst du die ganz normalen NFP Regeln nutzen, um die fruchtbaren Tage zu bestimmen. Man misst hierzu jeden Tag direkt nach dem Aufstehen und vor dem Aufwachen die Basaltemperatur für drei Minuten im Mund, Scheide oder Po. Außerdem beobachtet man ebenfalls, wie schon erklärt, den Zervixschleim. Beide Symptome können bequem per App in ein digitales Zyklusblatt eingetragen werden und dann werden die fruchtbaren Tage nach den Regeln bestimmt. Die symptothermale Methode (umgangsprachlich NFP) ist genauso sicher wie die Pille und hat keine gesundheitlichen Nebenwirkungen. Doch die meisten Mütter haben dann weniger Sorge darum, dass es nicht sicher ist, sondern vielmehr Sorge darum, dass es nicht mit ihrer Lebenssituation „funktioniere“.

Die häufigsten Frage beim Thema NFP in der Stillzeit ist zum Temperaturmessen: „Das geht mit kleinen Kindern nicht – Die schlafen nicht immer so wie man es möchte…” Ja, das stimmt – das kann ich bestätigen . Aber ich habe hierfür zwei Lösungsangebote, die das Temperaturmessen auch mit Kleinkind(ern) praktikabel machen. Erstens kann man seinen Mann fragen, ob er sich mal für drei Minuten um das tollste Kind der Welt kümmern kann, damit man bzw. Frau messen kann. Das funktionierte zumindest bei uns sehr gut. Aber selbst wenn der Mann das nicht machen kann (aus welchen Gründen auch immer), gibt es eine Lösung – nämlich den iButton. Der iButton ist ein Temperatur-Mess-Chip, der über Nacht in die Scheide eingeführt werden kann und dann misst er nachts zu einer Uhrzeit deiner Wahl oder alle halbe Stunde die Temperatur und speichert die Werte. Die Temperaturwerte können mithilfe einer Software auf den Rechner in ein Zyklusblatt übertragen werden.

ibutton

Eine weitere Sorge von den Müttern ist: „Man muss doch jeden Tag zur gleichen Uhrzeit messen, wie soll das denn gehen?” Erstmal wäre das mit iButton problemlos möglich, aber es ist gar nicht erforderlich. Denn es reicht völlig aus, wenn du vor dem Messen mindestens eine Stunde geschlafen oder geruht hast. Meistens habe ich das auch hinbekommen. Falls ich es mal nicht geschafft habe, war das aber auch kein Beinbruch, denn man braucht minimal nur 9 bis etwa 20 oder mehr Temperaturwerte (variiert je nach Zykluslänge) im Zyklus um auswerten zu können. Also ist es nicht der Weltuntergang, wenn man mal den ein oder anderen vergessen hat, zu messen oder aufgrund des Kindes nicht dazu gekommen ist.

Fazit

Ich bin der Meinung, dass natürliche Verhütung in der Stillzeit mit kleinem Kind funktionieren kann, wenn du es denn möchtest. Die technischen Möglichkeiten mit Apps und iButton haben sich derart verbessert, dass es für jede Frau eine Lösung gibt. Für Frauen, die Vollstillen wollen, kann LAM eine mögliche Alternative sein. Wenn du mehr über hormonfreie Verhütung erfahren möchtest, dann möchte ich dich herzlich dazu einladen, die „Hormonfrei Verhüten Woche” vom 12. bis 18. Oktober 2015 auf unserem Blog zu besuchen, bei der wir zahlreiche ExpertInnen wie Jess Vegan, Caroline Oblasser u.v.m. interviewen werden. Zum Abschluss der Veranstaltung werde ich mit meinem Partner Marcus, der ebenso wie ich Fruchtbarkeitscoach ist, ein kostenfreies Webinar (=Online-Vortrag) zum Thema „Hormonfrei Verhüten” geben. Wenn du dich für das Event anmeldest, bekommst du alle Interviews bequem per E-Mail zugeschickt, einen Platz in unserem Webinar und einen Zugang zu einer geschützten Facebookgruppe in der du dich mit anderen austauschen kannst. Ich freue mich, dich dort zu sehen.

Fruchtbare Grüße sendet dir Deine Anne

 

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